„Dreh es um“

Auch „negativen“ Emotionen können dein Freund sein

Du fühlst dich traurig? Ängstlich? Wütend? Du hast die Nase voll, du wünschst, du würdest gar nichts mehr fühlen! Alles weg mit diesen scheiß Emotionen. Ständig wechseln sie vom einen ins andere Extrem und rauben dir den letzten Nerv.

Du kennst diese Gedanken? Vielleicht. Ich kenne sie nur allzu gut. Nach einem hitzigen Arbeitstag, an dem ein Kollege mit einem Kommentar den ganzen Feminismus über den Haufen wirft. Nach einem Gespräch mit einer angeblich netten Bekannten, die wieder mal nur von sich erzählt. Nach einer Trennung, nach der du nicht weißt, wie es weitergeht und komplett überfordert bist, plötzlich allein dastehst.

Bei mir war mein Gefühlskarussell nach meiner letzten Trennung ein einziges Chaos. Auf sauer folgte traurig und danach mitleidig, bis es in Angst überging – was ich nun mit meiner freien Zeit anfangen soll und ob ich es wirklich schaffe, mich von seinen Küssen abzugewöhnen oder den täglichen 5.000 Tagesupdates, ohne das Wissen, was er zu Mittag gegessen hat oder den stundenlangen Telefonaten am Abend. Ja lol, wie nur?!

Nach zwei Wochen ständigem Gefühlswechsel, ohne mich auf etwas festlegen zu können, hatte ich nun wirklich die Schnauze voll. Wann hört das endlich auf?!

Nun muss ich sagen, dass ich eher von der ungeduldigen Sorte bin und ein Profi im Cleanup. Mich zwei Wochen nur im Kreis zu drehen, machte mich wahnsinnig. Vor Trauer krampfend am Boden, wütend auf den Boxsack einschlagend oder panisch in irgendeiner Ecke. Die Wut machte mich wütend, die Trauer traurig und die Angst ängstlich! Selbstverstärkende Emotionen und so.

Dabei bin ich doch ein Mensch mit Blick voraus! Ich fühlte mich gelähmt und starrte in den Spiegel (ich bin ein kleiner Kanarienvogel, der das gerne tut und überall welche in der Wohnung hat, haha) und war eigentlich dabei, mir die nächsten Haare auszurupfen. Bis ich innehielt, mir Schuhe anzog und raus ging. In der Bewegung fiel mir es mir auf. Die Gefühle lähmen mich nicht. Nein, wirklich nicht.

Anstatt dass die Wut mich wütend, die Angst mich ängstlich und die Trauer mich traurig macht, sah ich es anders. Wut macht mich aktiv. Trauer verbindet mich mehr mit anderen Menschen. Angst lässt mich auf das Wesentliche fokussieren und achtsam werden.

Es ratterte in meinem Kopf.

Hat mich nicht bisher jede tiefe Emotion weiter im Leben gebracht, mir neue Perspektiven gegeben und mich wachsen lassen? Vielleicht ist es doch gar nicht so schlimm zu fühlen?

Wer findet auch, dass solche Gefühle zwar im Moment nervig sind, aber dann doch wie ein Reset-Button wirken?

Wenn ich wütend bin und zur Tat schreite, dabei irgendwann den Feuerball in meiner Hand doch loslasse, fühle ich pure Erleichterung und merke, dass ich genau dieses Adrenalin gebraucht habe. Zum Beispiel jedes Mal, als ich nach der Trennung ins Gym gefahren bin und meine drei Klimmzüge geschafft habe!

Wenn ich Angst habe, merke ich, wie meine Sinne geschärft sind und ich wie im Rausch und Automatismus funktioniere. Wie ich kreativ werde, sie zu lösen. Im Moment ist es zwar nervig, weil ich ohne sie vielleicht besser dran wäre, aber sie zeigt mir, dass mir Dinge wichtig sind! Und das macht mich zum Anti-Psycho! Zum Beispiel, als ich nach der Trennung Angst hatte und durch den vollen Fokus auf eine andere Person glaubte, mich verloren zu haben. Projekte wie diesen Blog hier schnell voranzubringen, war mein Weg, mir das Gegenteil zu beweisen. Um ehrlich zu sein, würde ich ohne diese Emotionen nicht hier sitzen und Artikel schreiben! Wer schreibt schon so etwas, wenn es ihm immer nur gut geht? Glück, Freude, innerer Seelenfrieden, komplett im Einklang mit mir selbst, ohne widrige äußere Zustände? Eher nicht.

Wenn ich traurig bin, merke ich plötzlich, wie viele Menschen um mich herum für mich da sind, wer sich wirklich für mich interessiert und schätze die Verbindungen um mich herum mehr. Ohne die Trauer hätte ich mich meiner Freundin weniger geöffnet und wir wären nicht so eng zusammengewachsen. Sie hätte mich nie so tief in ihre Themen eingeweiht.

Es mag bei dir sicher anders sein. Jeder fühlt Gefühle anders. Nichtsdestotrotz möchte ich dich heute mal dazu einladen, das Positive deiner eigentlich so negativ konnotierten Emotionen zu sehen.

Dreh das Ganze doch mal um. Fang heute an und akzeptiere, dass zum Menschsein auch diese Emotionen dazugehören. Und dass sie gut sind, wie sie sind!

Dreh es um.

Hinterlasse einen Kommentar

About Me

About

Hi, ich bin Isi. 🤍
Ich glaube daran, einfach mal zu machen, loszulegen, zu lernen und jeden Tag ein kleines bisschen zu wachsen.

Für Gedanken, eine Geschichte oder einen kleinen Perspektivwechsel.