„Wenn es wehtut, dann wachse ich.“

Die Pflanze im Topf

Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage, dass ich schon oft umgezogen bin. Nicht unbedingt in der realen Welt – da waren es gerade mal drei Mal. Nein, ich spreche von meinem Topf. Mal ist er grau, mal ist er weiß, mal ist er beige und mit Struktur verziert. Dabei mag ich vielleicht nicht gerade abwechslungsreich sein (Beige ist einfach so zeitlos und gibt mir ein cozy Gefühl), aber was sich stetig weiterentwickelt hat, ist die Größe des Topfes.

Wovon rede ich? Ich rede von Weiterentwicklung. Ich rede davon, wenn du als Mensch wachsen willst, wenn du dich beklemmt fühlst, wenn du spürst, dass sich etwas ändern muss, wenn du deine eigenen Grenzen Tag für Tag spürst, aber endlich ausbrechen willst. Es muss nicht einmal so dramatisch sein. Manchmal fühlst du auch nur die Enge im Brustkorb oder hast Kopfkino von einer anderen Welt. Manchmal ist es gar keine aktive Entscheidung, sondern du wirst unfreiwillig umgepflanzt.

Bei mir war es die Trennung von meinem langjährigen Freund, mit dem ich drei Jahre zusammenwohnte, die die Pflanze-im-Topf-Analogie einfach so in meinem Kopf entstehen ließ. Es war ein regnerischer Tag im Frühling. Ich war etwas depressiv, weil ich zuvor nie allein gewohnt hatte und plötzlich vor dem gefühlten (oder realen) großen Nichts stand (mein Freund hatte wortwörtlich die Wohnung leergeräumt;)), jahrelang meine Freunde in der Beziehung vernachlässigt hatte, im Job schüchtern war und mich bei anderen Menschen eher für eine Belastung als eine Bereicherung hielt. An diesem Tag beschloss ich einen Clean Up zu machen und eine meiner Pflanzen, die aus jeder Pore überquoll, endlich ein neues Zuhause zu schenken.

Jeder kennt es. Der alte Topf war zu klein, es musste ein neuer her. Erde rein und ab mit der Pflanze in den neuen Topf.

Was passiert?

Die Pflanze geht ein.

Aber nicht dauerhaft, nur kurz. Danach geht es bergauf. Sie hat den Platz, weiter zu wachsen, neue Blätter zu bilden, neue Wurzeln zu schlagen, sich ihrer neuen Umgebung anzupassen und das Beste daraus zu machen.

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen und ich gebe es zu. Ich bin schon ziemlich stolz auf diese Erkenntnis.

Ich bin die Pflanze.

Ich erinnere mich gut daran, wie beklemmt ich mich im letzten Jahr der Beziehung gefühlt habe. Ich erinnere mich, wie ich mehr wollte. Mehr Liebe. Neue Menschen. Ich hatte bei einem Kurs auf der Arbeit Luft geschnuppert, dass Menschen mich vielleicht doch mögen, ohne mich seit Ewigkeiten zu kennen oder mit mir zusammen sein zu müssen.

Der Sport wurde mir wichtiger. Ich merkte, wenn ich Leute anlächele, lächeln sie zurück. Ich merkte: Wenn ich freundlich zur Welt bin, ist sie freundlich zu mir.

Diese Erkenntnisse brachten meinen Topf aber noch nicht ganz zum Platzen.

Nein.

Es war eher mein damaliger Partner, der mir vorlebte, wie ich nicht sein wollte. Miesmutig. „Arbeit ist eine Pflicht.“ „Ich muss, ich muss, ich muss.“ Und jemand, der mir regelmäßig mein Lachen nahm, wenn ich wieder eine neue Erkenntnis hatte.

Ich spürte: Ich muss hier weg.

Gedacht, getan?

Nein.

Es dauerte lange, bis ich mich freikämpfte.

Und dieser Freikampf – das war mein Kampf für einen neuen Topf.

Ich wollte es so sehr, habe mich so sehr darum bemüht und dann?

Dann saß ich da.

In meinem viel zu großen Topf.

Völlig verloren. Alleine in der Wohnung. Die beste Freundin weit weg im Auslandssemester. Mit gutem elterlichen Support, aber trotzdem allein und nicht mal ansatzweise diesem großen Topf gewachsen.

Ich kämpfte weiter, denn ich fühlte mich in diesem Topf verloren. Doch genauso spürte ich das Potenzial, das hier schlummerte. Die neue Umgebung kostete mich Kraft. Ich musste mich aufraffen, rausgehen, Leute treffen, an meinen vergessenen Zielen arbeiten, neue Leidenschaften finden, fallen, aufstehen, fallen, aufstehen.

Und dann.

Weißt du, was dann passierte?

Meine erste Wurzel war gewachsen.

Ich sah in diesem Topf immer noch mickrig aus, doch ich fühlte mich stärker. Gefestigter. Auf diesem Fundament konnte ich aufbauen. Ich war das erste Mal alleine im Urlaub. Ein Roadtrip durch Österreich mit einem Yoga-Retreat. Ich schmiss mich in neue Freundschaften und merkte, wie viel Menschen mir zurückgeben, wenn ich strahle und authentisch bin. Ich datete. Ich fiel. Ich stand wieder auf.

Mein Lieblingssatz „Wenn es wehtut, dann wachse ich.“ trug mich durch die gesamte Zeit, bis ich so viel erlebt hatte, so viel Neues gewagt hatte, so bestärkt wurde, ein besserer Mensch wurde, viel näher an das lebenswerte Leben gekommen bin, das in meinem Kopf geschlummert hat. Ich war selbstbestimmt und glücklich. Ich konnte endlich sagen:

Der Topf ist genau richtig für mich.

Immer noch Möglichkeiten, Potenzialen zu folgen. Genug Platz für meine Wurzeln. Festen Stand. Nicht mehr so leicht aus der Ruhe zu bringen. Eine deutlich größere Komfortzone.

Und nun ja.

Jetzt frage ich dich:

Wie geht es dir zurzeit in deinem Topf?

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Hi, ich bin Isi. 🤍
Ich glaube daran, einfach mal zu machen, loszulegen, zu lernen und jeden Tag ein kleines bisschen zu wachsen.

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