Glück – das Ziel eines Jeden. Auch meines. Ich weiß ganz genau, wie man glücklich wird. Zu genau. Ich habe tausende Bücher gewälzt, mich zutiefst in die Materie der Psychologie eingearbeitet, angefangen Philosophie zu studieren, stundenlang in meinem Kopf Analysen geschoben und tausend Abende damit zugebracht mit Freunden auf meinem Balkon darüber zu diskutieren. All das, um endlich dieses stille, zufriedene, leichte Gefühl von Glück zu spüren.
Ich weiß, was Glück ist. Ich habe es gespürt. Jeder hat es doch mal gespürt, oder? Zumindest zeitweise für einen kurzen Augenblick. Es gibt einige Menschen, die glücklich sind. Was machen diese Menschen anders als diejenigen, die jeden Morgen miesmutig ihren Weg zur Arbeit bestreiten und schon vor 7 Uhr morgens darum betteln, dass der Tag endlich wieder vorüber ist.
Wie werden diese Menschen glücklich? Ist es die Abwesenheit von Sorgen? Nicht unbedingt. Ist es, dass ich den ganzen Tag auf der Arbeit von allen wertgeschätzt werde und eine Gehaltserhöhung nach der anderen bekomme? Ist es, dass ich die beste Bodybuilderin auf Erden bin? Sind es die 500 Freunde, die immer zu jeder Tageszeit abrufbar und allesamt wie meine Seelenverwandten sind? Ist es DER perfekte Partner, der mich auf Händen trägt und mit dem ich mich nie streite?
Ja, ist dieses Glück, wenn all meine Wünsche, die ich jemals haben könnte, zum gleichen Zeitpunkt, alle erfüllt sind?
Nein. Das sind alles Dinge, denen wir die Verantwortung für unser Glück geben und von denen wir denken, dass sie erfüllt sein müssen, damit wir endlich in diese süße Versuchung dieses erstrebenswerten Gefühls kommen.
Es klingt so dumm, aber es ist so einfach. Ich habe mich jahrelang damit beschäftigt und bin irgendwann bei etwas erschreckend Einfachem gelandet: Glück ist deine Entscheidung. Glück ist, wo du deinen Fokus drauflegst. Glück ist, wie du deinen Filter auf die Welt einstellst. Glück wird dadurch entschieden, wie du dein Leben beurteilst, wie du es wahrnimmst.
Das Außen muss nicht bestimmen, ob du glücklich bist oder nicht. Natürlich kannst du nicht über alles hinwegsehen. Aber über vieles. Und genau da kannst du ansetzen. Du wirst nicht entscheiden können, wie andere Menschen zu dir sind oder welche Menschen in dein Leben treten oder es wieder verlassen. Du wirst dir nicht jeden Urlaub leisten können oder monatelang auf Bali rumhängen. Du wirst keine drei Häuser besitzen und noch eine Ferienwohnung in Spanien. Du wirst nicht jeden Tag eine gesunde Mahlzeit von deinem Privatkoch zubereitet bekommen. Du wirst in deinem Leben Schmerz erfahren. Körperlich, seelisch. Egal, wie viel Geld und Erfolg du hast. Aber du kannst trotzdem glücklich sein.
Das gefällt dir nicht, oder? Es hört sich viel zu radikal an. Aber denk noch ein zweites Mal drüber nach. Diese Erkenntnis ist eine wahnsinnige Erleichterung. Du musst nicht deinem Glück hinterherrennen. Du musst nicht dein ganzes Umfeld kontrollieren, alle Menschen in eine Form pressen, die dein Leben „besser“ macht, dich aufregen, dir Ziele stecken und dich dafür abrackern, um festzustellen, dass auch das dich nicht glücklich macht.
Es ist deine Entscheidung. Hier und heute. Jetzt. Leg den Schalter in deinem Kopf um und erkenne, dass äußeres Glück nicht dein Inneres ist. Es gibt verdammt viele Dinge, die du nicht kontrollieren kannst und trotzdem musst du nicht allem die Macht geben, über dein gesamtes Glück zu bestimmen.
Sieh das Positive um dich herum. Du denkst, da gibt es nichts? Fang mit den kleinsten Dingen an, die du siehst. Den blauen Himmel, die schön geformten Wolken, die Frau in der Bahn, die dich heute angelächelt hat. Übe deine positive Wahrnehmung. Mein leckeres Mittagessen, meine Haare, die heute gut fallen, die ersten bunten Blätter auf dem Boden. Schreib jeden Tag drei Dinge auf, für die du dankbar bist und die du heute schön fandest. Meine 10 Minuten Yoga, die ich heute Abend vorm Zubettgehen gemacht habe, mein kuscheliges Bett, meine Lieblings Netflix Serie. Zieh das mindestens einen Monat durch. Das Gefühl, als heute alle über meine lustige Bemerkung gelacht haben, der schöne Spaziergang, die Blumen, die ich mir gekauft habe. Und sieh, wie sich deine Umgebung verändert, indem du deine Wahrnehmung verschiebst.
Ich weiß, das hört sich sehr langweilig an. Wie glücklich wir uns mit unserem Leben fühlen, hängt aber sehr davon ab, wie wir es wahrnehmen. Und da ist dein Hebel, hier kannst du ansetzen. Wenn du mir nicht glaubst, probiere es aus. Leg den Schalter um.
Was mir noch wichtig ist: Diese Einstellung hat nichts mit Resignation zu tun. Du sollst nicht tatenlos rumsitzen, alles stumm hinnehmen und dich um nichts mehr bemühen. Du sollst nur lernen zu unterscheiden, was in deiner Kontrolle liegt und was nicht.
Du kannst fleißig lernen, einen guten Abschluss machen und auf der Arbeit alles geben – das ist dein Teil. Du kannst eine Freundschaft pflegen, die Person anrufen, Treffen organisieren und zuhören – das ist dein Teil. Was daraus resultiert, ob es die Beförderung oder das Übersehen deiner Leistung, die echte Wertschätzung deiner Freundschaft oder einseitiges Bemühen ist, das ist der Teil des Außeneinflusses. Den kannst du nicht erzwingen.
Gib also jeden Tag dein Bestes für das, was in deiner Macht liegt. Den Rest kannst du annehmen. Oder um es mit Seneca zu sagen: „Ein großer Teil unserer Freiheit liegt in der Einsicht, dass nicht alles von uns abhängt.“


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